Die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren in Bayern haben es nicht einfach. Sie müssen wissen, wie viel Löschwasser ein LF/16 im Wassertank mitführt. Oder wofür die taktische Kennzahl 40 im Funkrufnamen steht. Und natürlich sollten sie auch ganz noch handfest den Wasserschlauch und die Spritze halten können. Das Ganze möglichst unter erschwerten Bedingungen: mit dem übergestülpten Atemschutzgerät.

Doch künftig könnte es sein, dass ein Teil der Freiwilligen den Dienst quittieren muss: Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat die Gesundheitsrichtlinien verschärft, die festgeschrieben sind im "Grundsatz G 26 Atemschutzgeräte".

Die entsprechende Info ging zwar schon zum Jahresanfang an die Betroffenen, aber seitdem rumort es gewaltig bei den 7800 Feuerwehren in Bayern. In den Vorschriften ist festgelegt, wer Dienst tun darf mit einem Atemschutzgerät.

Getestet wurde das schon immer per Gesundheitsprüfung. Doch inzwischen werden auch Leberwerte und der Blutzucker abgefragt. Neu dazu kommt jetzt eine Gewichtsprüfung: Wer einen Bodymassindex von über 30 hat, darf nicht mehr mit Atemschutzgerät löschen.

"Fit for Fire"

Wer etwa trotz Fachliteratur wie "Fit for Fire" wohlgenährt durch das abendliche Bier und manches Feuerwehrfest 93 Kilo auf die Waage bringt bei 1,75 Körpergröße, der würde der Norm entsprechend keinen Dienst mehr leisten dürfen."Diese Neuordnungen sind für uns nicht ganz einfach zu handhaben", klagt der Vorsitzende des Bezirksfeuerwehrverbandes Karl Neulinger aus Waldkraiburg.

Seit 40 Jahren tut er Dienst bei der Feuerwehr, seit 1999 ist er Kreisbrandrat. "Wir sind auf jeden Mann angewiesen." Natürlich sehe er die Gefahren, wenn jemand nicht fit zum Einsatz gehe, aber die Feuerwehr sei nun mal ein Querschnitt durch die immer gewichtigere Gesellschaft.

Sein Kamerad aus Oberfranken sieht die Folgen der neuen Richtlinie ähnlich: "Mehr Geräteträger werden es auf keinen Fall", meint Bezirkschef Hermann Schreck aus Nordbayern. Die Wehren würden sich querbeet aus der Gesellschaft rekrutieren. "Da sind nicht nur Spitzensportler dabei."

Und auch der Testablauf macht Schwierigkeiten. Nüchtern sollen die Aspiranten erscheinen, am besten morgens. Dann wird ein Bluttest gemacht und ein Belastungstest. Doch morgens sind die meisten freiwilligen Helfer in der Arbeit. Bei Feierabend wiederum sind ihre Blutwerte verfälscht. Aber wenigstens hier ist Kreisbrandrat Neulinger zuversichtlich: "Wir haben Gespräche mit den Ärzten geführt."

Uwe Peetz, Fachreferent im Landesfeuerwehrverband, kennt die Schwierigkeiten, verteidigt aber die Neuregelung. Gerade bei der Diabetes sei eine Kontrolle sinnvoll. "Es gab schon wiederholt Fälle, wo die Leute nichts von ihrer Zuckerkrankheit wussten - und dann im Einsatz umgekippt sind." Aber eigentlich sei das mit der Diabetes und dem Übergewicht überhaupt nicht das Hauptproblem der Freiwilligen Feuerwehr, meint Peetz. Gravierender sei die ewige Flut von Normen, Vorschriften und Merkblättern.


Text : Süddeutsche Zeitung 21.08.2008
   

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